30 November, 2011 - 0 Kommentare, 326x gelesen | 326x gelesen
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Jossgrund - Ausgezeichnet für humanitäres Engagement in der Kunst

Österreichischer Förderpreis für Jossgrunder Künstlerin


Kunst braucht keine Sprache. Sie kann grenzenlos berühren, aufmerksam machen und im Betrachter wirken. Die Jossgrunder Künstlerin Ingrid Sonntag-Ramirez Ponce mit dem Künstlernamen INK schuf mit ihrem Zyklus „Mit dem Rücken zur Wand“ eine eindrucksvolle Schilderung der Not, der Straßenkinder auf den Philippinen ausgesetzt sind. Sie unterstützt damit den gemeinnützigen Verein „Tatort – Straßen der Welt e.V.“, der von Schauspielern nach einem Dreh zum Tatort „Manila“ 1997 gegründet wurde.


Im Rahmen eines feierlichen Festaktes in den Klosteranlagen des Stiftes Klosterneuburg/Wien wurde INK Anfang November mit dem Förderpreis des Österreichischen St. Leopold Friedenspreises ausgezeichnet. Generalabt Propst Bernhard Backovsky würdigte die eingereichte Arbeit der Künstlerin zu dem international ausgelobten Friedenspreis, für den sich weit mehr als 400 Künstler aus der ganzen Welt beworben hatten, mit den Worten: „...eine meisterhafte Zeichnung...".

Der internationale Preis für humanitäres Engagement in der Kunst zeichnet jährlich Kunstwerke aus, die sich besonderen Themen annehmen und Engagement zeigen. Für den Preis 2011 wurde das Thema „Gerechtigkeit schafft Frieden" gewählt. Hierzu reichte INK Sonntag-Ramirez Ponce eine außergewöhnlich, fast fotografisch anmutende Zeichnung ein, die philippinische Kinder bei einer Schulspeisung zeigt. Das Bild ist Teil eine Serie von Kunstwerken, mit denen INK auf die Situation der Straßenkinder aufmerksam macht, die ihren Lebensunterhalt meist nur durch Diebstahl und Prostitution verdienen können.

Hintergründe zu ihrem künstlerischen Schaffen und zu ihrem Engagement für die Kinder in Manila verrät INK Sonntag-Ramirez Ponce den meinJournal-Leser/innen in einem Interview mit der Redaktion:

mJ: Was bedeutet Ihr Künstlername INK?

INK: Im Alter von acht Jahren entdeckte ich aufgrund des hessischen Schullehrplanes das Medium Füller. Nichts war vor meiner Tinte sicher. Sogar die Namensschilder der Schulhefte waren rundum mit Ornamenten und Blumen bemalt. So kürzten meine Geschwister sehr schnell meinen Vornamen Ingrid auf INK, die Tinte. Dieser „Künstlername" ist geblieben.

mJ: Ist die Kunst für Sie Hobby oder Berufung? Ist die Kunst Ihr Hauptberuf?

INK: Kunst ist für mich Berufung, denn im zarten Alter von einem Jahr – ich konnte gerade einmal auf wackeligen Beinen stehen – bekam ich nicht ohne Folgen den ersten Stift meines Lebens in die Hand. Meine Eltern waren gerade dabei, den Flur meiner Urgroßmutter neu zu tapezieren. Sie ahnen sicherlich schon, was kommen musste, als sie mir den Rücken zuwandten. Ich ergriff die Gelegenheit, sprich den Stift, und eine Eingebung sagte mir, dass weiße Tapete sicherlich fast so gut sei wie Leinwand. – So schuf ich mein erstes „Kunstwerk"!

Genau an meinem vierzigsten Geburtstag im Jahr 2006 – ich dachte zu diesem Zeitpunkt eigentlich, mit beiden Beinen fest im Leben zu stehen – schlug mein Mann mir vor, meine Bilder auszurahmen und mit ihnen nach Frankfurt zu fahren. Ganz „zufällig" hatte er dort bereits einen Präsentationstermin bei der Leiterin einer großen Galerie vereinbart. Ich hatte zu dieser Zeit nicht einmal eine Mappe für meine Werke. Die kauften wir auf dem Weg nach Frankfurt im Kunstgroßhandel. Als ich nach mehr als einer Stunde die Galerie verließ, sagte mein Mann zu mir: „Jetzt weißt du ja, was du tun musst."

mJ: Ihre Arbeiten wirken durch Ihre Detailgenauigkeit auf den ersten Blick wie Fotografien. War das von Anfang an Ihre Technik und Ihr Stil?

INK: Vielleicht ist es meine Liebe zum Detail, die mich diesen Weg gehen lässt, die Faszination am Allgegenwärtigen, Alltäglichen. Es bietet eine solche Vielfalt, fast eine Unerschöpflichkeit. Und wann nehmen wir uns in dieser schnelllebigen Zeit noch die Muße, etwas ganz genau zu betrachten, zu erforschen, wahrzunehmen? Das Alltägliche bekommt eine neue Dimension – es wird zum Universum. Aber mein erstes Werk war abstrakt und ich werde mir niemals die Freiheit nehmen lassen, mit allen möglichen Techniken zu experimentieren. Ich unterwerfe mich keinem „mainstream".

mJ: Wie kommen Sie zu Ihren Motiven?

INK: Meine Motive finde ich immer über den selben Weg. Ein Motiv muss mich nicht nur interessieren, sondern auch im Tiefsten berühren.

Zu der Manila-Serie „Mit dem Rücken zur Wand" kam es über eine Begegnung: Im Jossgrund gibt es drei äußerst engagierte Frauen, die sich vor einigen Jahren von der Idee des Tatort-Vereins so begeistert zeigten, dass sie im Jahr 2009 die Projekte, die der Tatort-Verein in den Philippinen unterstützt, besuchten. Anne Kleespies, Christine Müller und Daniela Jeckel sahen mit eigenen Augen, wie wirksam die Unterstützung ist und wie sehr die Kinder in Manila auf Hilfe angewiesen sind. Nach ihrer Rückkehr gründeten sie das „Netzwerk Main-Kinzig" und sind seither aktiv im Einwerben von Spenden und bei Informationsveranstaltungen.Von ihrer Reise brachten sie viele Fotos mit, um Freunde und Bekannte auf die Situation der Kinder in Manila aufmerksam zu machen. Eine Fotomappe wurde zusammengestellt, die im Blumenladen von Christine Müller für interessierte Kunden zwischen Rosen und Oleander auslag, um Spenden für Manila zu sammeln. So war es nur eine Frage der Zeit, bis die Fotomappe in meinen Händen lag. Eines der Fotos zeigte vier Kinder an eine Wand gekauert, von denen zwei Kleidungsstücke trugen, die auch meine Kinder einmal getragen hatten. Vor langer Zeit waren sie, da die Kinder der Kleidung entwachsen waren, in die Kleidersammlung gegeben worden. Hier war ich wieder damit konfrontiert: das Lieblingsunterhemd meines Sohnes mit sehr markantem Druck und ein Kleidchen meiner Tochter.

Ich weiß nicht, ob die philippinischen Kinder auf dem Foto wirklich „die" Kleidungsstücke meiner Kinder getragen haben. Letztendlich ist dies auch völlig nebensächlich. Ich betrachtete dieses Foto als Auftrag, mich für die Kinder in Manila einzusetzen. Ein Großteil des Erlöses aus dem Verkauf meiner Manila-Werke geht an den Verein Tatort – Straßen der Welt e.V..

mJ: Sie konnten ja in den vergangenen Jahren viele künstlerische Erfolge verbuchen und zahlreiche Auszeichnungen entgegen nehmen. Welche Bedeutung hatte für Sie der Förderpreis des Österreichischen St. Leopold Friedenspreises?

INK: Der Förderpreis des St. Leopold Friedenspreises, einem International zu dem Thema „Gerechtigkeit schafft Frieden" ausgeschriebenen Kunstpreis mit in diesem Jahr mehr als 400 Bewerbern aus aller Welt, ist mein dritter Internationaler Kunstpreis. Trotzdem hat er für mich eine ganz besondere Bedeutung, da er ausgeschrieben wurde für ein Werk, das humanitäres Engagement zeigt. Das bedeutet, dass das Werk unabdinglich eine Aussage zum Thema treffen musste. Dass ich dies erreicht habe, macht mich ganz besonders stolz. Aber jeder Preis, den ich bisher erhalten habe, ist für mich von ganz besonderer Bedeutung, denn er zeigt eine meiner Kunst entgegengebrachte Wertschätzung. Dies ehrt mich sehr und macht mich sehr dankbar.

mJ: Vielen Dank für die Informationen und Einblick ein Ihr künstlerisches Schaffen!




Von meinJournal


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